Ari Rath
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In der Nacht von Donnerstag, 12. Jänner, auf Freitag, 13. Jänner 2017, ist der Publizist Ari Rath im Wiener Allgemeinen Krankenhaus knapp nach seinem 92. Geburtstag gestorben. Er war ein großartiger Journalist, langjähriger Chefredakteur der Jerusalem-Post, ein Pionier des Staates Israel, ein Freund von Ben Gurion und Teddy Kollek.

Ari Rath wurde 1925 in Wien geboren. Er stammte aus einer bürglerichen und wohlhabenden, jüdischen Familie. 1938 ist es ihm glücklicherweise gelungen, Wien zusammen mit seinem älteren Bruder Meshulam noch rechtzeitig zu verlassen. Auf der Galilea, dem Schiff, das die beiden Brüder nach Palästina brachte, schworen sie, nie wieder deutsch miteinander zu sprechen. Ein Versprechen, das sie bis zum Tod von Meshulam eingehalten haben.

Ari Rath war später einer der wichtigsten und beeindruckendsten österreichischen Zeitzeugen der Shoah. Er schilderte selbst, wie es dazu kam. 2011 wurde ihm nämlich im Wiener Allgemeinen Krankenhaus mit einer Notoperation das Leben gerettet und dies hat sein Verhältnis zu Österreich wesentlich verändert. Seitdem hat er Österreich oft besucht und Wien wurde neben Jerusalem zu seinem 2. Wohnsitz. Er nannte dies: „der Kreis schließt sich“- er konnte sich dadurch irgendwie mit Österreich aussöhnen. In diesen wenigen Jahren nahm er an unzähligen Veranstaltungen teil und interessierte sich für alles, was in Wien stattfand.
2013/2014 wirkte er bei der Burgtheaterproduktion „Die letzten Zeugen“ mit, für die er zusammen mit Doron Rabinovici noch im Oktober 2016 nach Argentinien gereist ist.

Ich habe ihn 2008 durch Vera Borek getroffen, die, als sie ihn kurz zuvor bei einem Jerusalemaufenthalt kennen gelernt hat, sofort von diesem charismatischen Mann fasziniert war. Ich bin froh und stolz, dass ich ihn seitdem zu meinen Freunden zählen durfte und er in einem Zeitraum von eigentlich wenigen Jahren ein Teil meines Lebens geworden ist. Dem Theater Nestroyhof Hamakom war er seit dessen Eröffnung in Treue verbunden. Er wirkte in Veranstaltungen, wie politischen Diskussionen, mit und er besuchte fast jede der Vorstellungen am Theater und etliche der Schauspieler wurden seine Freunde.

Ich glaube, es hat ihn gefreut, dass es ein ehemaliges jüdisches Theater in Wien gibt, das die Auseinandersetzung mit seiner Geschichte ernst nimmt. Noch 2 Tage vor seinem Tod hat er sich nach der nächsten Produktion erkundigt - bis zum Ende wach und interessiert an den Menschen und der Politik.

2009 hat er mich auf den jüdischen Lebensretter Aron Menczer hingewiesen und sich zusammen mit den Zeitzeugen Herbert Schwarz, Leo Luster und Martin Vogel und mir unter der Schirmherrschaft des Hamakom um die Errichtung einer Gedenktafel bemüht, die dann am 9.11. 2012 im Beisein aller von Rabbiner Paul Eisenberg endlich enthüllt werden konnte. Im September 2012 kam auch seine, zusammen mit Stefanie Oswalt verfasste, Autobiographie „Ari heißt Löwe“ heraus.

Ari wir werden Dich vermissen! Ohne Dich fehlt etwas in der Welt. Danke, dass Du da warst.

Susanne Höhne