ARON MENCZER

EINWEIHUNG DER GEDENKTAFEL FÜR ARON MENCZER

Ein österreichischer Janusz Korczak

Marc-Aurel-Straße 5, Beginn der Feier um 12 Uhr

Aron Menczer war ein charismatischer Erzieher, und von 1939 bis zu deren erzwungener Schließung 1942, der mutige Leiter der Jual-Schule in der Marc Aurel Straße 5.

Als sofort nach dem "Anschluss" die Judenverfolgung in Österreich vom Wiener Mob mit einer  Heftigkeit geführt wurde, welche sogar der nationalsozialistischen Führung in Berlin aufgefallen ist, wurde der Zionismus oft zur einzigen Hoffnung für viele verzweifelte Menschen.

Vor dem Palästinaamt in der Marc Aurel Straße 5 warteten zwischen 1938 und 1942 unendliche Schlangen jüdischer Österreicher auf die Genehmigung für die lebensrettende Auswanderung nach Palästina.

Jüdische Kinder und Jugendliche durften seit 1939 keine öffentlichen Schulen mehr betreten und waren auf die Fürsorge der jüdischen Gemeinde angewiesen. Zwischen 1938 und 1942 war die Schule in der Marc Aurel Straße 5 der einzige Ort, wo jüdische Kinder keine Angst vor Verfolgung haben mussten und sich geborgen fühlen konnten. Die jungen Chawerim wurden dort in jüdischer Geschichte, Religion und in praktischen Dingen unterrichtet und auf die Auswanderung nach Erez Israel vorbereitet.

Aron Menczer, der Zionist und  Pädagoge hat es in ganz besonderer Weise  verstanden, jüdischen Kindern  Hoffnung zu geben. Vielen dieser Kinder rettete er  das Leben. Am 24. September 1942 wurde er selbst in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er weiterhin für Kinder sorgte. Er begleitete 1943 freiwillig eine Gruppe von Waisenkindern aus dem Ghetto Bialystok nach Auschwitz wo er gleich nach der Ankunft, am 7. Oktober 1943, zusammen mit diesen Kindern ermordet wurde.

Aron Menczer wurde 1917 als jüngster von sechs Söhnen des Lederhändlers Simcha Menczer und seiner Frau Bluma geboren. Seine Eltern kamen um die Jahrhundertwende von Galizien nach Wien und lebten in der Großen Sperlgasse 15. Nur der älteste Sohn konnte studieren, weil das Einkommen des Vaters nicht für alle ausreichte. Aron Menczer eignete sich sein großes kulturelles  und erzieherisches Wissen im Selbststudium und durch praktische Erfahrung  an. Er lernte hebräisch, studierte jüdische Geschichte und schloß sich schon in jungen Jahren der zionistischen Jugendgruppe „Gordonia“ an. Hier entwickelte er sich zu einem großartigen Erzieher.

Im Spätsommer 1938 wurde die „Jugendalijah - Schule (Jual) , unter die Kontrolle der SS gestellt. Aron Menczer gehörte von Anfang an zur jüdischen Leitung der Jual Schule und leitete sie ab 1939 allein. Im Frühjahr 1939 begleitete er eine Gruppe  Jugendlicher nach Palästina. Dort traf er seine Eltern, die  ihn hindern wollten nach Wien zurückzukehren. Aron sagte dazu zu seinem Bruder: „Mendel, solange noch ein jüdisches Kind in Wien ist, bin ich dort.“ Aron Menczer hat bis  zum Jahr 1941, als die Schule von den Nazibehörden geschlossen wurde, vielen Kindern das Leben gerettet, indem er Ihnen half aus Österreich heraus zu kommen. Im September 1942 wurde er selbst nach Theresienstadt deportiert wo er weiterhin als Erzieher arbeitete. Am 24. August 1943 traf ein Transport mit 1260 Kindern aus dem Ghetto Bialystok ein. Den Gefangenen von Theresienstadt wurde jeder Kontakt mit diesen Kindern, die verdreckt und verlaust waren und „Gas“ riefen, verboten. Aron Menczer meldete sich freiwillig zur Betreuung dieser Kinder. Sechs Wochen später wurden die Kinder zusammen mit ihren Betreuern, darunter Aron Menczer, nach Auschwitz gebracht und dort ermordet.

Am 19. September 1942 versammelte sich in einer Wiener Wohnung eine kleine Gruppe von Chaverim der im Frühjahr 1941 aufgelösten Jugendalijah. Die Jugendlichen wollten sich von Aron Menczer verabschieden, der von der Zentralstelle für jüdische Auswanderung den Befehl bekommen hatte, sich im Sammellager für die Deportation in der Malzgasse 16 einzufinden. Von dort wurde Aron Menczer am 24. September nach Theresienstadt „evakuiert“. Den Jugendlichen die sich in dieser Wohnung trafen, war klar, dass sie durch die Deportation von Aron Menczer nicht nur ihren Freund und Mentor verlieren sollten, sondern dass damit auch die jüdische Jugendbewegung in Wien zu Ende war. Martin Vogel, einer der engsten Mitarbeiter von Aron Menczer verfasste einen kurzen Bericht über die Entstehung und das Ende der zionistischen Jugendbewegung in Wien. Das Original dieses Berichtes, wurde von Martin Vogel am Zentralfriedhof vergraben und befindet sich heute in Yad Vashem.

Um das Erinnern an die einzigartige Persönlichkeit Aron Menczer zu beleben und aufrecht zu erhalten, wird am 09. November um 12 Uhr eine Gedenktafel in der Marc-Aurel-Straße 5 im ersten Wiener Bezirk enthüllt.

Wir danken allen Beteiligten am Zustandekommen des Projekts. Insbesondere gilt unser Dank dem Zukunftsfonds der Republik Österreich und dem Nationalfonds der Republik Österreich.

 
09. November 2012
12:00 Uhr

Eine Initiative des Theater Nestroyhof Hamakom



Idee und Projektleitung:
Susanne Höhne, Ari Rath

Konzeption:
Elisabeth Klamper, Dr. Joanna Nittenberg, Benjamin Kaufmann, Doron Rabinovici, Herbert Schwarz, Martin Vogel

Gestaltung der Gedenktafel:
Alexander Kubik

Musikalische Begleitung der Feier:
Wiener Jüdischer Chor, unter der Leitung von Roman Grinberg



 
 

Theater Nestroyhof - Hamakom • Nestroyplatz 1 • 1020 Wien • T +43 1 8908836 • F +43 1 8908836 - 15 •