Man sage nicht, es wäre der Mühe nicht wert gewesen

mit Michael Gruner

Ein Bericht für eine Akademie
Franz Kafka
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Das letzte Band
Samuel Beckett

Man sage nicht, es wäre der Mühe nicht wert gewesen, sagt der Affe Rotpeter in Franz Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“. Er meint damit sein Leben zwischen Affe und gelerntem Mensch. Rotpeter ist die vielleicht einzig positive Figur in Kafkas Werk. Zerbricht Gregor Samsa an seiner Verwandlung zum Insekt, so wird Rotpeter, nachdem er alle Stadien der menschlichen Assimilation durchlaufen hat, zum Star sämtlicher Varietébühnen der Welt. In seinem einzigartigen Text schafft es Kafka über den Umweg des Affen, der Menschwerdung des Menschen einen Spiegel vorzuhalten. Die vermeintliche Sicherheit des Menschen über das Sein und vor allem die Sicherheit das eigene Sein zu hinterfragen, ist bei Rotpeter eigentlich nur ein mühevoller Prozess der Nachahmung, der ihm einen Ausweg aus der Gefangenschaft verschafft. So ist er am Höhepunkt seiner Karriere schonungslos aufrichtig im Berichten der schmerzlichen Nicht-Identität als Überlebensstrategie und somit als Affe vielleicht potenziert menschlicher als sein Auditorium, die Akademie.

Sei wieder, sei wieder. All dies alte Elend. Einmal war nicht genug für dich. Sink auf sie nieder. Diese Sätze sind die letzten von Krapp, einem zermürbten Schriftsteller, bevor er als 69-jähriger das Band abhört, das er als 40-jähriger bespricht. Dabei geht es Krapp immer um einen einzigen Moment mit einer Frau, einen einzigen Blick den er und sie zugelassen haben. Samuel Becketts oft gespieltes Meisterwerk über den Verfall, das Altern und der unbarmherzigen Entblößung in und vor der Zeit, beschreibt verlorene Identität und das tragikomische Ringen zwischen Leben und Tod.

„Das letzte Band“ von Beckett kann wie die Kehrseite von Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“ gelesen werden. Ist für den Affen Rotpeter die Nicht-Identität ein schmerzlicher, aber möglicher Ausweg, so ist sie für Krapp keine Option. Er bleibt in der Suche stecken.

Das Theater Nestroyhof Hamakom zeigt in der Regie von Frederic Lion und mit Michael Gruner als einzigem Schauspieler beide Stücke an einem Abend und lässt sich auf ihr Echo ein.

 

 
14., 16.-18. & 22.-25.03.2017
20:00 Uhr

Eine Eigenproduktion des Theater Nestroyhof Hamakom



Regie: Frederic Lion
Raum: Andreas Braito
Regieassistenz: Theodor Schurian-Stanzel
Maske: Katharina Gräser

 
 

Theater Nestroyhof - Hamakom • Nestroyplatz 1 • 1020 Wien • T +43 1 8908836 • F +43 1 8908836 - 15 •