DAS BUDAPEST VERHÖR
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DAS BUDAPEST VERHÖR

A Noir Melodrama

101 Jahre KATALIN KARÁDY: Nach authentischen Texten und Dokumenten u.a. von Sándor Márai, Florimond Duke und Katalin Karády, mit der wiederaufgefundenen Filmmusik zu „Tödlicher Frühling“ von Tibor Polgár (1907- 1993).

Budapest, Frühling 1944. Ein mondäner Hausball mit Katalin Karády, der angebeteten Filmdiva und Geliebten eines Geheimdienstgenerals. Werden die Grenzen zwischen ihren Filmrollen als Film-Noir Vamp, ihrem Diva-Dasein und den verborgenen Hilfsaktionen für Verfolgte den Gestapo-Verhören standhalten...?

„Das Budapest Verhör“ von Thomas Desi dramatisiert diesen Konflikt zwischen öffentlicher und privater Person, zwischen virtuellen und wirklichen Rollen in einem neuen Musiktheater. Dafür bildet die von ZOON wiederentdeckte Filmmusik-Partitur von Tibor Polgár zum ersten und erfolgreichsten der 22 Filme mit Katalin Karády, „Tödlicher Frühling“, live gespielt, die musikalische Grundlage.

"Karády ist die aufkommende Sonne geworden, der blaue Wundervogel. Das Haupt einer Löwenkönigin, die wilde Schönheit, ihr geheimnisvolles Gesicht, in dem man Feuer und Gift entdecken kann, ihre wunderbare Stimme, aus der man reine Unschuld und Leidenschaft zugleich heraus hört, das hat nur sie…" schrieb der Journalist Zoltán Egyed 1938 in einer Kritik. Katalin Karády, als siebtes Kind eines Schuhmachers in einem Vorort von Budapest geboren wurde im Alter von 28 Jahren in die Sphäre des Ruhms katapultiert, dessen soziales Umfeld ihr so fremd blieb, wie auch sie selbst dort fremd blieb.

Die tragische Verschmelzung der privaten Person mit der Filmfigur Karády, zeigt die Einflussnahme des Kinos auf die Gesellschaft. Die Gestapo unterstellte ihr, jene Spionin zu sein, die sie in dem damals aktuellen Film Machita spielte. Ihre private Liaison mit dem Chef der ungarischen Abwehr, General István Ujszászy, trug zu ihrer Diskreditierung bei. Kurz nach der Besetzung Ungarns durch die Deutschen im März 1944 wurde Karády von der Gestapo verhaftet und kam nach drei Monaten Gefängnis und Folter wieder frei. Während der Schreckensherrschaft der Pfeilkreuzler im Winter 1944/45 rettete Katalin Karády eine Gruppe jüdischer Kinder am Donauufer vor der Ermordung. 1951 emigrierte sie nach Aufenthalten in Österreich, der Schweiz, Belgien und Brasilien, 1968 schließlich nach New York, wo sie bis zu ihrem Tod 1990 einen Hutsalon betrieb. Am 22. März 2004 ehrte Yad Vashem Katalin Karády als Gerechte unter den Völkern.

Tibor Polgárs Filmmusik-Partitur für Tödlicher Frühling von 1938, einem der ersten und erfolgreichsten der insgesamt 22 Filme mit Katalin Karády, wurde von ZOON Musiktheater/Thomas Desi im Nachlass des Komponisten in Toronto/Kanada, entdeckt und in ihrer integralen Version zur musikalischen Tonspur des Projektes gemacht. Mit Das Budapest Verhör gelingt nicht nur eine Wiederbegegnung mit Katalin Karády, sondern auch die Uraufführung der vollständigen Filmmusik für Orchester von Tibor Polgár, die bisher nur zu einem kleinen Teil für den Film Verwendung fand.