DER PFEIL INS BLAUE
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„Ich habe keine Ahnung, ob in fünfzig Jahren irgendjemand eines meiner Bücher wird lesen wollen. Aber ich weiß ziemlich genau, was mich zum Schreiben antreibt. Es ist der Wunsch, hundert zeitgenössische Leser für zehn Leser  in zehn Jahren und für einen Leser in hundert Jahren einzuhandeln.“

 

Seine vielseitigen Werke als Journalist und Autor haben Arthur Koestler nicht weniger Weltruhm verschafft, als sein radikales Engagement als politischer Aktivist. Der Analytiker totalitärer Gedankensysteme lotete mit der ganzen intellektuellen Kraft und seelischen Gespaltenheit eines Wanderers zwischen den Welten Grenzen und Extreme aus. Er beschäftigte sich unabhängig von den konkreten politischen Kontroversen zeit seines Lebens literarisch mit geschlossenen logischen Systemen und Denkstrukturen.

 

1905 in Budapest geboren, erlebte Koestler noch den Zusammenbruch des Habsburger Reiches, kommt in Wien erstmals mit zionistischen Kreisen in Berührung und geht als Korrespondent für Ullstein nach Palästina. Er bereist den  Vorderen Orient und die Sowjetunion, wird 1931 Mitglied der KP, schließt sich in Paris dem Kreis um Willi Münzenberg an. Während des Spanischen Bürgerkrieges wird er verhaftet und zum Tode verurteilt und aufgrund einer öffentlichen Kampagne wieder freigelassen; 1939/1940 erneut verhaftet und im französischen Lager Le Vernet inhaftiert, lebte und arbeitete Arthur Koestler ab 1940 in England. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Frankreich zurück und verkehrte unter den Linksintellektuellen um Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre.

 

Mittlerweile zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller englischer Sprache avanciert, erregte Koestler in den 1970er Jahren Aufsehen mit seiner Paul Kammerer Biografie „Der Krötenküsser“ und dem Sachbuch „Der dreizehnte Stamm“, das die These vertritt, das östliche Judentum stamme von dem Volk der Chasaren ab, was in Israel Verärgerung auslöste. Ebenfalls zu dieser Zeit manifestierte sich sein Interesse für Parapsychologie. Am 3. März 1983 schied er gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Cynthia durch Suizid aus dem Leben. Er litt an der Parkinson-Krankheit und an Leukämie. Sein Vermögen stiftete er für die Einrichtung eines Lehrstuhls für Parapsychologie.

 

Dieses an äußeren Ereignissen und inneren Erfahrungen reiche Leben beschreibt Koestler nicht vom Standpunkt des unbeteiligten Beobachters aus. Gemäß seines Gelöbnisses, eine aufrichtige und sich selbst gegenüber schonungslose Autobiographie zu schreiben, analysiert und dokumentiert Koestler die politischen Geschehnisse der Epoche, die er selbst entscheidend mitgeprägt hat.

 

Die Lesung aus einer seiner autobiographischen Werke „Pfeil ins Blaue“ folgt einer Auswahl die vor allem seine Jugend in Budapest und seine ersten Jahre als Student in Wien zum Inhalt hat. Im Zentrum steht vor allem seine Auseinandersetzung mit dem Zionismus, der sein Leben entscheidend mitgeprägt hat, die Stimmung an den Universitäten und der jüdischen Burschenschaften.