DIE KOMMANDEUSE UND COVERGIRL
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In dem Projekt werden zwei Monologe von zwei Autorinnen an einem Abend zur Aufführung gebracht.

Beide Stücke beschäftigen sich mit zwei Täterinnen in unterschiedlichen historischen und politischen Kontexten. Zwei Frauen, die es geschafft haben mit ihren Taten negativ Geschichte zu schreiben und die Weltöffentlichkeit zu entsetzen. 

Es ist nicht die Vergleichbarkeit ihrer Biografien und ihrer Taten  sondern die vehemente mediale Ausschlachtung beider Fälle angesichts einer ratlosen Öffentlichkeit gegenüber weiblicher Täterschaft, die das Theater Nestroyhof Hamakom veranlasst beide Texte hintereinander an einem Abend zur Aufführung zu bringen.

Ingrid Lang ist eine grandiose NS-Sirene [...]
Ingrid Lang spielt mit großer Intensität diese unbeugsame, grausame Frau, die sich immer neue Männer angelt
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DIE PRESSE, 28.04.2013

Barbara Gassner versteht es auf hervorragende Weise, das "Covergirl" Lynndie England darzustellen. Sie zeigt die knapp 21-jährige Frau, deren Fotos mit Häftlingen an der Leine 2004 um die Welt gingen, impulsiv und wechselt gekonnt zwischen männlichem Kriegsgehabe, unterwürfiger Frau mit Blondhaarperücke und mütterlicher Fürsorge.
DER STANDARD, 03.05.2013

 

DIE KOMMANDEUSE - von Gilla Cremer- ÖE
Inszenierung: Frederic Lion
mit: Ingrid Lang

„Man muß verstehen, mit seiner Zeit zu gehen“ – so begründet die junge Ilse Köhler 1932 ihren Eintritt in die NSDAP. Sie begegnet dem Obersturmbannführer Karl Koch und zieht im Jahre 1937 als seine Frau mit ihm auf den Ettersberg, einen wunderschönen Hügel bei Weimar, auf dem Goethe einst “Wanderers Nachtlied” dichtete. Hier wird Koch Kommandant des Konzentrationslagers Buchenwald. Von den Jahren in der “Villa Koch”, die unmittelbar an das Konzentrationslager Buchenwald grenzte, sagt Ilse Koch später, dass sie “die beste Zeit” ihres Lebens waren, eine satte, eine gute Zeit, gezeichnet von einem luxuriösen und ausschweifenden Lebensstil.

1951 wurde die „Kommandeuse“ – so nannten sie die Häftlinge aufgrund ihres grausamen und unberechenbaren Auftretens im Lager – wegen Anstiftung zu Körperverletzung und Mord zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Ilse Koch füllte im Nachkriegsdeutschland als “Hexe von Buchenwald” die Schlagzeilen und behauptete selbst noch nach 22 Jahren Haft: “Ich kann mich an nichts erinnern. Ich habe mich nie um Lagerangelegenheiten oder Politik gekümmert. Ich war immer bemüht, meinem Mann und meinen Kindern eine gute Familienmutter zu sein”

Gilla Cremers  Stück „Die Kommandeuse“ ist weniger ein dokumentarisches Zeitstück als der Versuch über eine Kunstfigur Einblicke in die erschreckende Durchschnittlichkeit einer Frau zu gewinnen, die die historischen Bedingungen genutzt hat um ihre sadistische Destruktivität auszuleben.

COVERGIRL - von Barbara Herold
Inszenierung: Barbara Schulte
mit: Barbara Gassner

Wer ist diese junge Frau, die Meteorologin werden wollte und mit 20 Jahren zum Kriegseinsatz in den Irak abkommandiert wurde?

Wie ist das Foto mit der Menschenpyramide an ihrem 21. Geburtstag entstanden?

Was ist „Doing-a-Lynndie“, einer von knapp 300.000 Einträgen im World Wide Web?

Der Text versucht Antworten auf Fragen zu geben, die im Zusammenhang mit der Person Lynndie England auftauchen. Im Frühjahr 2004 gingen die Fotos der Folterer aus dem irakischen Militärgefängnis von Abu Ghraib um die Welt. Darauf zu sehen sind irakische Häftlinge, wie sie gedemütigt, gequält, zu sexuellen Handlungen genötigt werden. Darauf zu sehen sind auch die Täter, amerikanische Soldaten der Militärpolizei, die lachend in die Kamera schauen, als handele es sich um Souvenirfotos.

Lynndie England ist das weltweit bekannteste Gesicht auf den Fotos, wohl auch weil sie mit knapp 21 Jahren die jüngste Soldatin unter den Tätern war. Ihre Fotos sind Geschichte geworden: Lynndie mit einem Häftling an der Hundeleine, Lynndie grinsend hinter eine Pyramide nackter Männer, Lynndie auf einen masturbierenden Gefangenen deutend.

Lynndie England, Mutter eines Sohnes, wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt, die sie 2005 antrat. Aufgrund intensiver Recherchen zeichnet Barbara Herold auch ein klareres Bild, wie man sich die Vorgänge in Abu Ghraib vorzustellen hat. Das vorrangige Ziel des Textes ist aber, die Fassungslosigkeit und Ratlosigkeit zu formulieren, welche die Bilder und die Geschichte der jungen Soldatin auslösen.