NEUROTIC LOUNGE
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Zum Abschluss der Saison 2011/12 wurden die Räumlichkeiten des Theaters Nestroyhof Hamakom selbst zur zentralen Spielfigur. Das Herzstück der sonst einer Öffentlichkeit bislang verborgen gebliebenen Räumlichkeiten bildet der, ob seiner Schönheit vielbewunderte Theaterraum – in diesem Fall allerdings zur Cocktail-Lounge mit Peepshow umfunktioniert, um dessen pulsierend-mystisches Zentrum sich berührende und aufregende Geschichten ranken.

Von Lampen durch den 6-teiligen Parcours in verschiedene verborgene Winkel des Hauses geleitet, finden sich in unterschiedlichen Lese-Performances Texte zeitgenössischer jüdischer Autoren, die sich auf ihre jeweils eigene Art und Weise mit dem Thema Sex und Neurosen befassen.

Die ausgewählten Geschichten klingender Namen wie Herny Roth, Isaac Bashevis Singer, Harold Brodkey, Max Apple, Nathan Englander (u.a.), stammen aus Melvin Jules Bukiets Anthologie „Neurotica, Jewish Writers on Sex“ (1999). Amerikanisches Lebensgefühl und Urbanität gepaart mit einer guten Portion Intimität sorgen für entsprechend pikante Atmosphären, die es auf eigene Faust zu erkunden gilt, während man in sonst verborgene Winkel des schönen Gemäuers verführt wird: Das versteckte „neurotische“ Antlitz des Theaters lüftet sein Geheimnis.

Ein erfrischender Cocktail an der Show-Bar im Theaterraum ist im Kartenpreis inbegriffen, für die entsprechende musikalische Untermalung sorgt Roland Hackl.

„Sex ist, wie die Religion, eine versöhnliche Macht, die soziale Ungerechtigkeit ausgleicht; in beiden seiner sinnlichen und fortzeugenden Prozesse schafft der menschliche Verkehr (in beiden seiner großartigsten Verkörperungen: nämlich Ficken und Schreiben) eine Entschädigung dieser Welt für Verlust, Mangel und, vor allem, Sterblichkeit. Sex und Geschichtenerzählen sind die Gaben, die aus einem Schneider einen König, aus einer Näherin eine Königin machen. Das Laken ist, wie das Blatt des Schriftstellers, ein sauberer, weißer Thron, der allen zugänglich und, weil jedes Geschenk seinen Preis hat, auch für alle gefährlich ist.“ (Melvin Jules Bukiet)