UNDERGROUND CITY 21
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DAS FESTIVAL:

Eine Reise durch einen performativ-installativen Parcours entlang der Achse der Praterstrasse im 2. Bezirk in Wien erzeugt einen interaktiven Theaterraum und wird zur Reise durch die virtuelle Underground City 21.

Internationale und lokale KünstlerInnen, TheoretikerInnen, WissenschaftlerInnen AlltagsexpertInnen und Self-Made-SpezialistInnen erzeugen zusammen mit dem Publikum in 7 Tagen festival-ähnlicher Ballung von Geschehnissen eine Simulation einer urbanen Situation, eines Stadtraums der (individuellen) Gegenöffentlichkeit. Der Prozess dieser Tage wird aufgezeichnet und als digitale Skulptur in die entstehende 3D-Struktur des gleichnamigen EU-Projekts eingespeist.

Durch den gesamten Parcours der Fragmente, Situationen und des Programms führen Guides, KennerInnen und Informierte der Underground City 21. Man kann diese an verschiedenen Punkten des Netzwerks treffen und kennenlernen, sich an sie wenden und mit ihnen durch das Underground City Gewirr und das Programm gehen. Sie sind die Personen unseres Vertrauens. Sie garantieren eine sichere Reise durch die Underground City 21.

 

DAS PROJEKT:

Wenn keine unbesetzten, unreglementierten und bewohnbaren Flächen an der Oberfläche mehr bleiben, weichen originelle, notwendige oder zweifelhafte Festsetzungen von Lebensformen in den Raum unter der Erde aus. Wenn das Subjektiv-Virtuelle der Städte nicht mehr genügt, fliehen soziale Gebilde in den digitalen urbanen Raum und bilden den subversiven und progressiven Untergrund von Öffentlichkeit, von Gesellschaft.

Underground City 21 Vienna sucht Momentaufnahmen, Utopien und Potentiale solcher imaginärer und realer Netzwerke aufzuzeichnen und deren Denk- und Aktionsstrukturen in installative und performative Skulpturen einzuschreiben. Der öffentliche Raum, in seinen sozio-kulturellen Dimensionen und Begrenzungen zwischen Untergrund und Oberfläche, wird im Raum der Kunst abgehandelt. Kollaborative Ideen und subjektive Kreationen, als Fragmente auf verschiedene Arten von ‚Bühne’ gestellt, erschaffen einen kontextuellen Raum, in dem Theater entstehen kann.

Ausgehend von einem existierenden Ort, einem aufgelassenen Bergwerk in Kroatien, an dem aus einer künstlerischen Bewegung heraus der Plan entsteht, eine unterirdische Stadt zu errichten, wird die Entwicklung von Gemeinschaftsstrukturen, städtebaulichen und sozialpolitischen Systemen dieser ‚idealen’ Kunststadt erarbeitet. Die dabei entstehenden Prozesse und Probleme bilden eine Basis für die Themen, die Diskurse und die künstlerischen Arbeiten des Projekts. Die einzelnen Fragmente des Projekts werden einerseits vom Publikum unter der Führung der Kunstschaffenden, andererseits von Kunstschaffenden und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen unter Beteiligung des Publikums entwickelt. Was daraus entsteht, führt zur Gesamtpräsentation des transdisziplinären Projekts in Wien und in anderen Städten und dient letztlich der Entwicklung des Bauplans, der digitalen Bausteine des 3D Modells für die Underground City 21.

Doch es geht nicht um das Angebot einer Inspiration zur Wahrnehmung narrativer Welten oder zu kulturellen Verortungsmöglichkeiten, auch nicht um die Aufforderung zur Rezeption politischer und zwischenmenschlicher Realitäten - vielmehr um dramaturgische Erforschungen und Offenlegung von Denkraum, Bewegungsraum, Erfahrungsraum: das Inszenierte beginnt mit der bewussten Involvierung der Gäste, mit ihrer Besetzung dieser Räume und endet mit der Herausforderung des Eigenen im Gesamtkontext des Spiels.

Die Teilnehmer am Online Projekt werden zu Bürgern einer virtuellen Scheinwelt, die Rollen sozialer, politischer und wirtschaftlicher Verantwortung übernehmen. Sie nehmen teil an einem Diskurs, dessen Parameter sie selbst mit gestalten. Die Besucher der offline Veranstaltungen werden zu Protagonisten künstlerischer Projektionsflächen, die sie durch ihre eigene Reaktion, durch ihren Wahrnehmungswillen, durch ihr Begehren zwischen Traum und Gewissheit erzeugen.

 

STATEMENTS:

„... Damit möchte ich neben dem virulenten thema des schwindens von öffentlichem raum mit dem auch das verschwinden eines untergrund-begriffs, (bzw. der widerständigkeit und gegenentwürfe) verbunden ist, auch einen anderen theaterbegriff positionieren, der weit über vorhandenes wie situationismus, aktivismus im öffentlichen raum oder stationentheater etc. hinausgeht und bewusst dem landläufigen aufsagen von auswendig gelerntem text in gebastelten kontexten in "sparten-kisten" gegenüber steht. ...“

 (Thomas J. Jelinek)

Wenn Theater politische Relevanz haben möchte, sollte es sich auch mit der Neoliberalisierung der Städte beschäftigen. Das könnte bedeuten, Privatisierung, Gentrifizierung und die  Funktion von Sicherheitsdiskursen in den Blick zu nehmen und auf  Gegendiskurse und Möglichkeitsräume jenseits herrschender Praxen zu verweisen. Aber es sollte nicht nur Stücke, sondern Situationen schaffen, die auf die Überproduktion von Sinn mit der Neuaufteilung des Sinnlichen reagieren: Das Aufsuchen anderer Orte, die Thematisierung des Gehens im öffentlichen Raum, die Inklusion von Experten außerhalb des Theaters, das Schaffen von Gegenbildern und anderen Schauordnungen, die Intervention zur Unterbrechung politischer Logiken. Theater auf politische Weise zu machen könnte bedeuten, es als soziale Situation zu verstehen, die das Politische körperlich und sinnlich erfahrbar macht – egal ob im öffentlichen Raum oder in der „black box“. Dies will „Underground City 21 Vienna“ versuchen.

                                                                                                                                 (Jan Deck)

 

 

 

[ENGLISH]

 

THE FESTIVAL:

A journey on a performative - installative course, along the axis of the Praterstrasse in the 2nd district of Vienna creates an interactive theatre space and becomes a trip through the virtual underground city 21.  

International and local artists, theoreticians, scientists, experts in the day to day and self-named specialists create, together with the audience, in a concentrated 7 day period of events, a simulation of an urban situation and alternative public space and counter-culture. The days’ proceedings are recorded and flow as a digital sculpture to a 3D structure “in development”, a part of the EU-Underground City 21 Project.

Guides, “in-the-know” and informed individuals lead through the fragments, course, situations and programme of the Underground City 21.You can join them at different points in the network, get to know them, ask their advice and let them lead you through the entangled world of the Underground City and its programme. They are the people we trust to guarantee a safe journey through the Underground City 21.

 

THE PROJECT:

When there is no unoccupied, no unregulated or inhabitable space left on the surface, surviving, innovative, and perhaps suspicious life forms defer into the space under ground. When the subjectively virtual construction of physical cities no longer suffice to provide a proper quality of life, social networks flee into a digital urban space and begin constructing  a subversive and progressive public underground and society.

Underground City 21 is recording snapshots, utopias and potentials in real and imaginary networks and manifesting their structures of thinking and activities and actions into installations and performative sculptures. The idea of public space, in all its socio-cultural and political dimensions, as well as the imagined borderline between surface and under ground, will be object of a discursive process within the fields of art. Collaborative ideas and subjective creations are placed as fragments on a variety of ´stages´, establishing a context in which a contemporary form of theatre can emerge, paralleling a real time-simulation of an Underground City in the 21st century. Growing out of the parameters of the geographical, physical and historical threads of the real starting point of the project, a deserted coal-mine in Labin, Croatia, a digital blueprint of Underground City 21 will be created by all participants, artists, theoreticians, spectators and supporters. Every participant will, at least for a short time, become an inhabitant of Underground City 21.

Using the map of the mine in Labin as a model for the physical form and transferring it to a far away region of similar size, social network, structures of communication and coding, the project chose the Praterstrasse (in the 2nd district of Vienna) as the main axis to opening and connecting a number of spaces with activities and art projects.

Beside the main festival venue of Theatre Nestroyhof Hamakom, we will follow several “side-tracks” along Praterstrasse, to associated venues like the LABfactory, the music-venue fluc, OpenSpace, the XI-Bar, Cabaret Renz, and also to a number of private flats and hidden places in the 2nd district. The local history, traditions, contemporary movements, local structures and activists, hopes, fears and madness, meet with locally engaged international artists and a global discourse on living society and the future, simultaneously simulating an international sculpture.

However, it is not about an offering of inspiration towards the realization of narrative worlds or getting it right in terms of cultural placement, also not about the acceptance of certain political or inter-personal realities. More so, it’s about dramaturgical exploration and exposure of space for thought, movement and experience; the play begins with the conscious involvement of the guest artist and her occupation of a space and ends with her own self challenge within the overall context of the game.

Participants in the online project become citizens of a virtual fake world, taking on its social, political and economic roles. They participate in a discourse set within self determined parameters. The offline visitor becomes protagonist and projection screen for the artist through her reactions, willing observation and a desire created between dream and certainty.

 

 

Teilnehmende und assoziierte Künstler /participants and associates for the Vienna fragment:

 

Erik Alalooga /artist (Est), AIKO-Kazuko Kurosaki/ choreographer/performer (JP/A), Fahim Amir/ theoretician, cultural producer (AFG/A), artWERK (A), Sigi Aigner aka Musurunga (Fuckhead) (A), Daniel Aschwanden/ choreographer, artist (CH/A), Andreas Berger/GLIM/musician/soundcreator (A), Didi Bruckmayr/ musician (A), Steve Buchanan/ musician/dancer/ artist (US), Libia Castro/ artist (Rotterdam), Chris Standfest/dramaturgue, performer Theatercombinat (Berlin/Wien), Stefano Cavagnetto/ media analyst/philosopher (I), Stephanie Cumming / choreogrpher, dancer, performer (CAN), Esther Csapo/ radio moderator (A), Jan Deck /dramaturg, theatre-maker,curator (D), Verena Dürr/artist/musician (A) Natalie Driemayer/ dramaturgue (D), FM-Einheit/ musician (Berlin), Ursula Endlicher/ media artist (USA/A), Alexander Emanuely/writer (Wien), Simone D. Fachel / theatre maker, photographer (Berlin), Peter Fuchs/ artist (A), Vanja Fuchs/artist, coordinator (A/SLO), Rino Gropuzzo/ photographer (HR), Barbara Husar/ visual and conceptual artist (A), Christina Hartl-Prager/ artist(A), Ana Hoffner/ artist (D), Mikko Hyvönen/ performer (FIN), Ivan Jakovcic / President of the Region of Istria & Sanja Svrljuga / artist (CRO), Robert Jelinek/ Sabotage, artist (A), Thomas J. Jelinek/ curator,director,dramaturge (SWE/A), Harald Jokesch/ dramaturgue, actor(A), David Kleinl/ TanzBaby, artist (A), Verena Kuni / art-media theoretician (D), Joonas Lahtinen/ performer (FIN), Joke Lanz/ Sudden Infant, music performer (Berlin), Magda Loitzenbauer/ performer (BRA), Michael Loizenbauer/ videoartist,photographer (A), Jörg Lukas Matthaei/ director,theatre-maker (Berlin), Katharina Meves/ dancer, performer (D), Gini Müller/ director/theatre-maker (Vienna), Alexander Nikolic/ artist/film-theatremaker (A/SER), Jaume Nualart/ mediaactivist (CAT), Şener Özmen and Cengiz Tekin (TÜR), Ólafur Ólafsson/ artist (Berlin), Fritz Ostermayer/ journalist, author, DJ. musician (A), Robert Pinzolitz/ artist, musician, producer (A), Regina Picker / performer /artist (A), Paul Poet/ filmmaker, director, producer (Vienna), Ulla Rauter/ artist, musician (D), Salka Ardal Rosengren/ performer (SWE), Benedikt Rubey/ media artist (Vienna), Anna Scheer/ performing-media artist (A), Lars Schmidt/ red park (A), Jutta Schwarz/ actress and perfromer (Vienna), Deniz Sözen/ artist (Vienna), Norbert Steiner /SPUTNIK/architect (A), Lucie Stecker/artist (Berlin), Jan Tabor/ urbanist, architectural critic (CZ/A), Yuka Takahashi/ performer (JP), Lisa Truttmann/ visual and media artist (A), Janek Turkowski/ curator/performer (PL), Doris Uhlich/ choreogrpher, performer(A), Lena Wicke-Aengenheyster/ artist (D/A), Brigitte Wilfing/ demimondaine, choreographer,performer (A), Katherina Zakravsky/ philosopher, performer (A), Dean Zahtila /President of L.A.E./artist (CRO) and others / und andere ...