URBAN NIGHTSCAPES
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dérive #44: ‚Urban Nightscapes’

Präsentation: Christoph Laimer

Nachtleben  und  Stadt  sind  zwei  Seiten  ein  und  derselben  Medaille. Das Entstehen  der modernen Großstädte in der Mitte des 19. Jahrhunderts und die Ausweitung des Lebens immer breiterer Bevölkerungsschichten in die Nacht treten nicht zufällig im selben Zeitabschnitt auf, sondern sind aufs engste verknüpft. Bis heute schreitet diese Entwicklung stetig voran und die 24-Stunden-Stadt ist vielerorts bereits Realität. Öffentliche Verkehrsmittel, die rund um die Uhr in Betrieb sind, und neue Sperrstundenregelungen sind auch in Wien Anzeichen dafür. Wie ein fremdes Territorium wird die Nacht  Stück  für  Stück  erobert:  Internationale Konzerne  wollen am Urban Nightlife verdienen und überziehen die Global Cities mit uniformen Unterhaltungsangeboten. Unerwünschte Personen werden ausgesperrt, zahlungskräftige Touristen umworben, die Überwachung der nächtlichen Stadt wird immer dichter.  dérive - Zeitschrift  für Stadtforschung beleuchtet in  ihrer  44.Ausgabe das komplexe Geflecht der Stadt in der Nacht.

Christoph Laimer ist Herausgeber und Chefredakteur des internationalen Urbanismusmagazins dérive - Zeitschrift für Stadtforschung, das seit 2000 in Wien erscheint. www.derive.at

 

‚Vergnügungsetablissement, Theater, Brettl, Nachtlokal’

Leopoldstädter Unterhaltungskultur zwischen 1900 und 1938

Vortrag: Verena Schäffer

Die Geschichte der Leopoldstadt im Spannungsfeld zwischen Zentrum und Peripherie, als Vergnügungsviertel, als Zentrum jüdischer Kultur, als Emigrantenquartier, als Durchgangsstation und Eintrittspforte in die Haupt- und Residenzstadt der Donaumonarchie, aber auch als Ort der Armut und des Rotlichtmilieus bildet den Ausgangspunkt für das Entstehen einer spezifischen Unterhaltungskultur, deren Orte und Erscheinungsformen nach 1938 aus dem Bewusstsein der Stadt verdrängt wurden. Neben den beiden Hauptgenres der Leopoldstadt, dem wienerisch geprägten Varieté und Unterhaltungstheater, und dem teils politisch und künstlerisch engagierten Jüdischen Theater, nimmt auch die dritte typisch „Leopoldstädter“ Unterhaltungsform einen ganz eigenen Platz in diesem Kosmos ein: das Wiener-jüdische „Jargontheater“ mit seinen vormals stadtbekannten Komikern, Sängern und Autoren. Verena Schäffer lädt zum nächtlichen Streifzug durch eine heute nahezu vergessene, laut Zeitgenossen aber höchst breitenwirksame Form „Leopoldstädtisch“ geprägter Unterhaltungskultur.

Verena Schäffer: Kulturwissenschaftlerin, Bühnenbild, Fotografie. Arbeitet derzeit an einer Publikation zur theatralen Nutzungsgeschichte des Nestroyhofs im Kontext der zeitgenössischen Unterhaltungskultur der Wiener Leopoldstadt.

 

‚Nacht, Stadt, Film’

Streifzüge durch urbane Nachtlandschaften

Film-Lecture: Thomas Ballhausen

Die filmische Darstellung und Reflexion der Nacht erlebt jüngst eine regelrechte Konjunktur. Die Kehrseite des Tages war aber immer schon eine überaus beliebte und mitunter auch heiß umkämpfte Spiel-Zeit, die insbesondere in Stadtdarstellungen ihren entsprechenden Handlungs-Raum fand – und auch immer noch findet. Anhand ausgewählter filmischer Beispiele aus unterschiedlichsten Genres lädt Thomas Ballhausen zum Spaziergang durch die facettenreichen Zugänge zu den Verbindungen von Stadt, Film und Nacht.

Thomas Ballhausen, Autor, Film- und Literaturwissenschaftler, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Filmarchiv Austria und Lektor an der Universität Wien. Er arbeitet bevorzugt nachts.

 

Außerdem: Musikprogramm zum Thema