Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten (Zucken)

von Sasha Marianna Salzmann

Der Titel dieses Stückes Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten (Zucken) ist mehr als eine Finte der Autorin Sasha Marianna Salzmann. Vielmehr umschreibt er programmatisch ein Dilemma: Zum einen unseren hilflosen Versuch dem Phänomen der Radikalisierung mit Verständnis und Verstehen zu begegnen und zum anderen die eruptive Reaktion von Gewalt einer Gesellschaft, die ins Zucken gerät.

Ein junger Mann führt mit seiner Frau, einer freien Autorin, ein maßgeschneidertes luxuriöses Leben, bis Nachrichten und Berichte aus Krisengebieten langsam sein Selbstverständnis der eigenen Perfektion erschüttern und in ihm eine Krise hervorrufen, die plötzlich militante und gewalttätige Züge annimmt.

Diese Menschen werden in den Flüchtlingslagern gefoltert, in den Flüchtlingslagern nebenan, einmal über den Park gehen, dahinter sind die Anlagen und du sitzt hier, in deiner zweihundertvierzig Quadratmeter Wohnung und trinkst deinen Kaffee.... Und Recht hätten diese Menschen, wenn sie über den Westen, den bösen Westen, kommen und ihn zerfleischen, ihn überrollen, ihn kaputtmachen, aussaugen, vergewaltigen und nur noch brennende Wüsten zurücklassen ....

Pawlik, ein Russlanddeutscher, freundet sich in den ersten Tagen seines Medizinstudiums mit Rüzgar an. In Rüzgars Zimmer kommt es zu einer homoerotischen Annäherung, die Pawlik brüsk abbricht. Verunsichert in seiner Identität und Sexualität liebäugelt er mit dem Krieg in der Ukraine.

Oleg: Jeder von euch Arschlöchern, der in dieser Fotze von Land hier verrotten will, der soll das tun. Aber ohne mich. Ich gehe zu meinem Bruder. Ich lasse ihn nicht im Stich. Ich lasse ihn nicht allein…

Borja „Willst du wirklich gehen?“

Misha „Willst du töten gehen?“

Und dann ist da eine pubertierende Jugendliche, die mit einem Unbekannten chattet, bei dem sie sich beachtet und geborgen fühlt. Er muss sie nicht anwerben. Die Entscheidung, zu ihm zu fahren, ist ganz die ihre...

Mein Herz ist ein blutiger Fleischklumpen und die Welt ist der Grill. Ich gebe nicht auf. Ich gebe dich nicht auf. Und die Welt auch nicht. Ich kann noch was tun, ich weiß das. Ich werde für dich kämpfen. Und für uns.

Drei Geschichten, die unterschiedlicher kaum sein können, deren Protagonisten eine Verlorenheit und Einsamkeit teilen, die jedoch als Erklärungsmodelle für ihre Handlungen nicht ausreichen. Es bleibt die Leerstelle zu erfassen, die Lücke abzustecken, die Ränder an denen Verständnis gerade noch möglich ist.

Das Stück spielt mit unseren Ängsten, mit Bildern der Angst, die jeden Tag von den Medien erzeugt werden. Mit ihrem wahren Kern und den Klischees, mit denen sie aufgeladen werden.

In einem Essay 2015 schreibt die Autorin Salzmann “Wenn unsere Angst gemacht ist, dann tragen wir Verantwortung. Und wenn wir sie auseinanderpflücken, um zu sehen, wovon wir geprägt sind, dann haben wir eine Chance. Das Ziel muss doch sein, unserer Angst nicht mehr so ausgeliefert zu sein, von ihr überrascht und überrumpelt zu werden, um am Ende zu verzweifeln, sich zu schämen und gar nichts zu tun.”

Zusammen mit vier SpielerInnen und einem Musiker erkundet die junge Regisseurin Jana Vetten im Theater Nestroyhof Hamakom dieses Feld. „Wir werden uns den Bildern unserer Ängste widmen. Wir werden die Geschichten dieser drei Menschen erzählen, von den Gefahren erzählen, die von Ideologien und religiösem Fanatismus, von heilversprechenden, vereinfachenden Erzählungen ausgehen, aber wir werden vor allem auch von uns erzählen und unserer Unfähigkeit, mit diesen Ereignissen umzugehen. Und am Ende von einer neuen Art zu fragen.“ (Jana Vetten)

 
6., 8.-10., 14.-17., 21.-24.03.2018
20:00 Uhr

mit: Ingrid Lang, Johanna Wolff, Robert Huschenbett, Bastian Parpan

Regie: Jana Vetten
Ausstattung: Julian Vogel
Musik: Philipp Pettauer
Dramaturgie: Patrick Rothkegel
Assistenz: Luca Perfahl
Kostümmitarbeit: Angela Karpouzi

Verlag: Verlag der Autoren



Österreichische Erstaufführung

Eine Eigenproduktion des Theater Nestroyhof Hamakom

 

 

 
 

Theater Nestroyhof - Hamakom • Nestroyplatz 1 • 1020 Wien • T +43 1 8908836 • F +43 1 8908836 - 15 •