10. - 18. November 2022

Bent
/
Martin Sherman

Eine Kooperation des Theater Nestroyhof Hamakom mit wirgehenschonmalvor

Bent [bent]: gebeugt, gebrochen / abw.: schwul

Berlin, 1934. Der Mittdreißiger Max wacht verkatert in seiner Wohnung auf. Sein Freund kocht Kaffee und neben ihm liegt ein nackter SA-Mann, den er abgeschleppt hat. Es ist der Morgen nach dem sogenannten "Röhm-Putsch" und vor der Tür steht die Gestapo, um den jungen Nationalsozialisten abzuführen. Die systematische Verfolgung homosexueller Männer im Dritten Reich beginnt, auch Max wird ins Konzentrationslager Dachau deportiert. In dieser menschengemachten Hölle lernt er Horst kennen, der den rosa Winkel trägt, der ihn als "175-er" ausweist, als Homosexuellen. Einem der brutalen Aufseher fällt auf, wie sich Max um seinen zunehmend schwächeren und kranken Freund kümmert, aber Fürsorge – oder schlimmer gar, Liebe – unter Männern wird nicht geduldet.

Auf Basis des §175, den Hitler 1935 verschärfte, wurden homosexuelle Männer kriminalisiert, verfolgt, in Konzentrationslager gebracht und ermordet. Der Paragraph war in der Bundesrepublik Deutschland bis 1969 unverändert gültig und wurde erst 1994 ganz gestrichen. Dadurch gab es lange keine Aufarbeitung und nur wenige, zum Teil unter Pseudonym publizierte Erfahrungsberichte von homosexuellen Verfolgten. Ganz zu schweigen von einer öffentlichen Anerkennung einer Opfergruppe, die lange über den Zweiten Weltkrieg hinaus diskriminiert und kriminalisiert blieb.

Bent, 1979 in London uraufgeführt, stellt eine vergleichsweise frühe theatrale Auseinandersetzung mit dem Thema und einen Beitrag zur historischen Anerkennung und Aufarbeitung queerer Geschichte dar. Die im Stück verhandelte Hierarchie der KZ-Lagerinsassen führt uns auch in einen Diskurs der Opfer-Hierarchien und -Konkurrenzen.

Wir lesen Bent einerseits als fiktionalisiertes Stück Geschichte, das Aufmerksamkeit verdient und Anerkennung einfordert, aber auch als Dokument aus einer bestimmten Phase der Erinnerungskultur, in das wir einhaken, dazwischenreden, uns verheddern und aus unserer Gegenwart heraus vielstimmig verflechten können.

Die Vorstellungen beginnen um 20.00 Uhr.

TEXT
Martin Sherman
REGIE
Matthias Köhler
BÜHNE UND KOSTÜM
Patrick Loibl
MIT
Kai Götting
Birgit Stöger
Nicolas Streit
DRAMATURGIE
Elena Höbarth
PRODUKTION
wirgehenschonmalvor