07.03.2021 / 11 Uhr

Ein österreichischer Don Juan
/
Marta Karlweis

Lesung

In Vergessenheit Geratenes gemeinsam mit unserem Publikum wieder in Erinnerung zu rufen, um bewusst eine bessere Zukunft zu gestalten, ist eine Aufgabe und eine Sehnsucht, die unsere Arbeit im Hamakom von Anfang an begleitet.
In Kooperation mit dem Verlag „Das vergessene Buch“  laden wir Sie zu einer Lese- und Gesprächsreihe ein, die zu Unrecht in Vergessenheit geratene AutorInnen und ihre Werke vorstellt.


Marta Karlweis, 1929 erstmals erschienener Roman entlarvt auf psychologisch raffinierte Weise die Heuchelei und moralische Doppelbödigkeit der herrschenden Schichten zur Zeit der ausgehenden Habsburgermonarchie: Der wohlhabende Wiener Baron Erwein von Raidt ist ein Frauenheld, wie er im Buche steht. Sein Verhältnis mit der schönen Witwe Löwenstein lässt er schnell fallen, als er ihrer bezaubernden 21-jährigen Tochter Cecile begegnet. Nachdem diese schwanger wird, bricht er auf der Stelle den Kontakt zu ihr ab. Um sich selbst zu schützen, verkuppelt er sie mit einem nichtsahnenden deutschen Industriellen. Als die junge Cecile endlich den wahren Charakter Erwein von Raidts durchschaut, ist sie bereits unheilbar krank. Für den einstigen skrupellosen Frauenhelden und Bonvivant vergehen die Jahre weiter mit Liebesabenteuern, Verführungen und Eroberungen – bis ihn schließlich seine letzte Geliebte verwandelt und zu ihrem hörigen Sklaven macht. 

„Der 1929 erstmals erschienene Roman lohnt auch heute noch die Lektüre. Er ist einer jener Versuche, den Niedergang der Monarchie zu deuten, aber auch die Unvernunft des Menschen zu beschwören. Und mindestens darin ist das Werk aktueller denn je.“

– Ernst Grabovszki, OE1 (Ex libris)

„Es ist ein Abgesang auf die vermeintlich heile Welt von gestern, den Marta Karlweis hier anstimmt. – ein glänzend geschriebener, bitterböser Roman, der die Wiederentdeckung der Autorin und ihres Werks befeuern sollte.“

– Michael Omasta, Der Falter (Buchbeilage „Bücher-Frühling“)

Der Verlag Das vergessene Buch wurde Ende 2014 von Albert Eibl gegründet, um zu Unrecht vergessene Schätze der deutschsprachigen Literatur für ein heutiges Lesepublikum wiederzuentdecken. Mit fulminantem Echo und Erfolg wurden bisher drei österreichisch-jüdische Autorinnen der Zwischenkriegszeit wiederentdeckt und somit dem Vergessen entrissen: Maria Lazar, Else Jerusalem und Marta Karlweis. Der Ende Mai aus dem Nachlass herausgebrachte Kolportageroman, Thriller und Krimi „Leben verboten!" von 1932 mauserte sich selbst inmitten der Corona-Krise schnell zu einem Österreichbestseller und wurde zum Ö1 Buch des Monats Juli gekürt.