24.01.21/ 11 Uhr/ Kooperation mit dvb Verlag

Die Eingeborenen von Maria Blut
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Maria Lazar / Lesung

In Vergessenheit Geratenes gemeinsam mit unserem Publikum wieder in Erinnerung zu rufen, um bewusst eine bessere Zukunft zu gestalten, ist eine Aufgabe und eine Sehnsucht, die unsere Arbeit im Hamakom von Anfang an begleitet.
In Kooperation mit dem Verlag „Das vergessene Buch“  laden wir Sie zu einer Lese- und Gesprächsreihe ein, die zu Unrecht in Vergessenheit geratene AutorInnen und ihre Werke vorstellt.

Schon im dänischen Exil, wohin sie bereits 1933 zusammen mit ihrer Tochter Judith emigrierte, schrieb Lazar an ihrem großen Zeit- und Widerstandsroman Die Eingeborenen von Maria Blut, den sie bereits 1937 in Auszügen in der bekannten Moskauer Exilzeitschrift Das Wort veröffentlichen konnte. Der Roman spielt im fiktiven Städtchen Maria Blut und schildert auf raffinierte Weise das Heranreifen des Nationalsozialismus in Österreich. Vergeblich hat sie es österreichischen wie Schweizer Verlagen angeboten; keiner wollte es drucken. Ein Schweizer Verleger schrieb ihr einen begeisterten Brief darüber, doch könne er die Herausgabe nicht riskieren, schon aus dem Grunde, „weil der ,Markt? dafür zu eng geworden wäre“. Das überliefert uns ihre Schwester Auguste Lazar, die den Roman 1958, also erst zehn Jahre nach dem Selbstmord Marias, in der DDR herausgibt. Nach rund 60 Jahren seit seiner letzten Veröffentlichung wird dieses einzigartige Werk, das vergleichbare Arbeiten der Zeit an satirischer Schärfe bei weitem übertrifft, nun endlich einem aufgeschlossenen Lesepublikum wieder zugänglich gemacht.

„[...] ein kleines literarisches Wunderwerk.“

– Thomas Mießgang, DIE ZEIT

„Die vielen Erzählstimmen des Romans erinnern an die Polyfonie in Heinrich Manns «Die kleine Stadt»; sein scharfer Blick auf den ethischen Zerfall nimmt Ödön von Horváths «Jugend ohne Gott» vorweg.“

– Franz Haas, Neue Zürcher Zeitung

Der Verlag Das vergessene Buch wurde Ende 2014 von Albert Eibl gegründet, um zu Unrecht vergessene Schätze der deutschsprachigen Literatur für ein heutiges Lesepublikum wiederzuentdecken. Mit fulminantem Echo und Erfolg wurden bisher drei österreichisch-jüdische Autorinnen der Zwischenkriegszeit wiederentdeckt und somit dem Vergessen entrissen: Maria Lazar, Else Jerusalem und Marta Karlweis. Der Ende Mai aus dem Nachlass herausgebrachte Kolportageroman, Thriller und Krimi „Leben verboten!" von 1932 mauserte sich selbst inmitten der Corona-Krise schnell zu einem Österreichbestseller und wurde zum Ö1 Buch des Monats Juli gekürt.