18.10.20/ 11 Uhr/ Kooperation mit dvb Verlag

Ferien am Waldsee
/

Carl Laszlo / Buchpräsentation

In Vergessenheit Geratenes gemeinsam mit unserem Publikum wieder in Erinnerung zu rufen, um bewusst eine bessere Zukunft zu gestalten, ist eine Aufgabe und eine Sehnsucht, die unsere Arbeit im Hamakom von Anfang an begleitet.
In Kooperation mit dem Verlag „Das vergessene Buch“  laden wir Sie zu einer Lese- und Gesprächsreihe ein, die zu Unrecht in Vergessenheit geratene AutorInnen und ihre Werke vorstellt.

CARL LASZLO (1923–2013) wuchs als Sohn einer assimilierten großbürgerlich-jüdischen Familie im ungarischen Pécs auf. Er besuchte das Zisterzienser-Gymnasium seiner Heimatstadt und wandte sich danach schnell dem Studium der Medizin zu. 1944 fiel der größte Teil von Laszlos vielköpfiger Familie dem Holocaust zum Opfer. Wie durch ein Wunder überlebte er selbst dagegen den mörderischen Aufenthalt in mehreren Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Sachsenhausen und Buchenwald.

Nach dem Krieg etablierte sich Laszlo erfolgreich als Psychoanalytiker und Kunsthändler in Basel. 1968 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft. Nicht zuletzt aufgrund persönlicher Kontakte zu namhaften Größen der internationalen Kunstszene baute Laszlo seine Sammlungen immer weiter aus. Neben mehreren tausend buddhistischen Statuen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert umfasste seine Privatkollektion bei seinem Ableben 2013 u. a. zahlreiche bedeutende Werke von William Blake, Salvador Dalí, Friedensreich Hundertwasser, Roy Lichtenstein und Andy Warhol.

Laszlo trat seit den 50er Jahren auch immer wieder als Verfasser von Kurzdramen, Manifesten und als Zeitschriftenherausgeber auf. Seine unter die Haut gehenden fiktionalisierten Erinnerungen an seine Zeit im Konzentrationslager Auschwitz, die er 1955 im Selbstverlag unter dem düster-ironischen Titel Ferien am Waldsee publizierte, sind seit dem Zeitpunkt ihres erstmaligen Erscheinens zu Unrecht völlig in Vergessenheit geraten.

"Es wäre ja auch naiv, zu denken, dass ein System, das die Konzentrationslager hervorbrachte, einfach vom Himmel gefallen sei [?], dass nachher alles ebenso rasch verschwinden und an den Menschen spurlos vorüber gegangen sein könnte. Das ganze Phänomen gliche dann einem Albtraum, aus dem man nur aufzuwachen brauchte, und alles wäre vorbei. Zu dieser Deutung neigen die meisten Menschen. Dem muss entgegengehalten werden, dass die hier geschilderten Geschehnisse tatsächlich vor zehn bis zwölf Jahren inmitten Europas sich abgespielt haben, dass alle diese Dinge heute und in ähnlicher oder veränderter Form sich wieder abspielen und sie morgen wieder vor unseren eigenen Augen erscheinen könnten."

– Carl Laszlo in seinem 1955 erschienenen Vorwort zu Ferien am Waldsee

Der Verlag Das vergessene Buch wurde Ende 2014 von Albert Eibl gegründet, um zu Unrecht vergessene Schätze der deutschsprachigen Literatur für ein heutiges Lesepublikum wiederzuentdecken. Mit fulminantem Echo und Erfolg wurden bisher drei österreichisch-jüdische Autorinnen der Zwischenkriegszeit wiederentdeckt und somit dem Vergessen entrissen: Maria Lazar, Else Jerusalem und Marta Karlweis. Der Ende Mai aus dem Nachlass herausgebrachte Kolportageroman, Thriller und Krimi „Leben verboten!" von 1932 mauserte sich selbst inmitten der Corona-Krise schnell zu einem Österreichbestseller und wurde zum Ö1 Buch des Monats Juli gekürt.



MIT
Albert Eibl
Alexander von Schönburg