Poetin der Zeichenfeder / Spielerin am Abgrund
/

von Hajo Jahn

Sie versteckte sich hinter Phantasienamen wie Abigail, blauer Jaguar, Indianer oder Prinz Jussuf von Theben. Doch wer war Else Lasker-Schüler wirklich? Und wo war sie zu Hause? Noch heute sind die Fragen schwer zu beantworten, trotz vieler Biografien. Sie war eine Spielerin – das Spiel ihres Lebens war die Kunst. Dabei spielte sie nicht leichtfertig wie ein Zocker, sondern ernsthaft wie ein Kind. Dieser Fähigkeit zur Selbstvergessenheit verdanken wir einige der schönsten Gedichte deutscher Sprache und ein immer noch zu wenig entdecktes Prosawerk mit reizvollen Texten, Theaterstücken und eine kaum überschaubare Korrespondenz mit Martin Buber, der Familie von Thomas Mann, mit Gottfried Benn, Karl Kraus, Georg Trakl oder Franz Marc. Ihre Heimat war die Sprache, die deutsche Sprache. Ihr Leben spielte sich zwischen Aufstieg und Fall des Deutschen reiches ab: Geboren als Elsbeth Schüler am 11. Februar 1869 in Elberfeld an der Wupper als Tochter assimilierter Juden. Berühmt geworden in Berlin. Gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem. 1932 mit der höchsten deutschen Literaturauszeichnung geehrt, dem Kleistpreis, musste sie ein Jahr später ins Schweizer Exil fliehen. Dort erfuhr die Poetin der Zeichenfeder 1937, dass ihre Bilder aus der Berliner Nationalgalerie als „entartet“ entfernt worden waren. Dass sie die arme Else Lasker-Schüler war und Prinz von Theben so gerne sein wollte, zeigt den Widerspruch, der sie ein Leben lang beschäftigte. Hajo Jahn nennt diesen Widerspruch den Riss zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Der Gründer und Vorsitzende der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft porträtiert die Autorin am Montag, 6. Februar 2012, um 20.00 Uhr im Theater Nestroyhof Hamakom.“ 

(Hajo Jahn, Gründer und Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft Wuppertal)


Die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft veranstaltet von 10.-15. April 2012 in Wien das XVIII. Else-Lasker-Schüler-Forum „Was tun Sie da in ... Wien?".