Premiere: 28. März 2019 / ÖEA

Tom à la ferme
/
Am Land ist es immer finster

von Marc Michel Bouchard / Deutsch von Frank Heibert

Homophobie, Nationalismus und toxische Männlichkeit. Diese Themen wollen wir mit dem Stück "Tom à la ferme" von Marc Michel Bouchard miteinander in Bezug setzen. Inszeniert werden soll die österreichische Erstaufführung als politischer Psychothriller, einem Kammerspiel, dass die ZuschauerInnen mit Gewalt, falsch verstandener Männlichkeit und deren toxische Wirkung auf ihr Umfeld und unsere ganze Gesellschaft konfrontiert.

Tom, ein Mittzwanziger, Angestellter einer Werbeagentur fährt hinaus aufs Land, um die Familie seines verstorbenen Liebhabers zu besuchen. Dort leben auf einer Farm dessen älterer Bruder Francis und seine Mutter, gegenüber denen Tom sich lediglich als guter Freund ausgibt. Francis durchschaut den Auftritt, zwingt Tom aber der Mutter weiter vorzugaukeln ihr verstorbener Sohn habe eine Freundin in der Stadt gehabt und zwingt ihn darüber hinaus auch nach dem Begräbnis auf der Farm zu bleiben. Francis entwickelt eine aggressive Homophobie und Tom gerät in einen Strudel aus Abhängigkeit und Gewalt, Faszination und Angst, zärtlichen Avancen und perfidem Missbrauch.

Es geht um eine Lust an diesem Missbrauch. Aber nicht nur Francis homophobe Lust am Missbrauchen, sondern auch Toms schizophrene Haltung dazu und seine Lust am missbraucht werden, dem Aufgeben seiner Identität. Wir lassen die vier Figuren in einem abstrakten, atmosphärischen Raum aufeinandertreffen, in dem Geborgenheit jederzeit in Besessenheit und Erniedrigung umschlagen kann. Eva Jantschitsch (Gustav) wird einen Soundtrack dazu komponieren, der zwischen den Genres Psychothriller, Erotik und Horror changiert und per Video werden Fantasien, Ängste, Sehnsüchte und Desperation der Figuren projiziert. Das ist das Setting, in das wir die Figuren entlassen: ein psychologisches Kammerspiel, das mit Einfühlung und Empathie die Dringlichkeit und Aktualität des Stoffes unter Beweis stellen soll.

Bereits im Rahmen von YODO OIDA Performances of No Return, der letzten Arbeit von wirgehenschonmalvor, die im Oktober 2016 im Werk X-Eldorado Premiere hatte, setzte sich das Team um Elke Auer und Matthias Köhler mit (unerreichbaren) Maskulinita?tsidealen und den daraus resultierenden Konflikten und als unaushaltbar wahrgenommen inneren Zuständen von jungen Männern auseinander. wirgehenschonmalvor beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit geschlechtlicher Vielfalt, Misogynie im kollektiven Unterbewusstsein, Feminismus für Männer, Fallhöhe und Reputationsrisiken, Verletzlichkeit, Intimität, Empathie, Courage und Solidarität.

MIT:
Johanna Berger
Philipp Plessmann
Martina Spitzer
Nicolas Streit
REGIE:
Matthias Köhler
BÜHNE UND VIDEO:
Elke Auer
KOSTÜME:
Madeleine Nostitz
MUSIK:
Eva Jantschitsch
DRAMATURGIE:
Anna Laner
PRODUKTION:
Miriam Lesch