Premiere: 16. Oktober 2018

Das Kasperlspiel vom Meister Siebentot
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von Albert Drach

„Dieses Stück spielt immer und überall, besonders heute und hier“

Drachs Kasperl ist eine leblose Schaubudenfigur, ein Wurstel aus Watte und Sägespänen, der statt eines Herzens einen Mechanismus im Leib trägt, der ihm ermöglicht, die Sprache des Volks zu kopieren, zu verarbeiten und in manipulativer Art zurückzuspielen. Der Mechanismus kommt dabei nicht von allein in Gang - die Liebe und das Blut des Volkes sind vonnöten.

Das Volk weigert sich dem Schaubudenbesitzer Geld für das Kasperltheater zu bezahlen, stellt aber bereitwillig sein Blut zur Verfügung. Der Wurstel erwacht also zum Leben und geht als Meister Siebentot in die Welt hinaus, begleitet von seiner Gefährtin Amanda, die das blinde Begehren des Volkes in seiner Reinform verkörpert.

Als Schneider mischt er sich unter die Menschen, sammelt Worte, die das Volk von sich gibt und spielt sie gezielt zurück, um mehr und mehr Macht zu erlangen. Ein jeder brave Bürger bekommt einen Kasperlhut, außer dem für den Machterhalt notwendigen Opfer. Die selbsterschaffenen Riesen werden mit vereinten Kräften besiegt und Kasperl wird König. Ob die ganze Geschichte aber wirklich stattgefunden hat, darüber ist sich am Ende niemand so recht im Klaren. Dem Kasperl jedenfalls, hat es sehr viel Spaß gemacht.

Eine einfache Geschichte, eine böse Parabel. Zynisch und mit Unschuld erzählt Drach mit einer großen Portion schwarzem Humor dieses Märchen über den Aufstieg eines Populisten. Über die Verweigerung der Erkenntnis und die Macht der Dummheit. Der eigentliche Protagonist des Stückes aber ist das Volk. Der Kasperl nur eine Reflexion, herbeigesehnt aus diffuser Angst, Unsicherheit und Langeweile.

Albert Drach schrieb dieses Stück erstmals 1935, nachdem er „Mein Kampf“ von Adolf Hitler gelesen hatte. Das Manuskript ging allerdings auf der Flucht vor den Nazis verloren. Er rekonstruierte das Kasperlspiel mehrmals. Die zweite Fassung, die 1940 in Nizza entstand ist ebenfalls verloren. Die der Inszenierung zu Grunde liegende Fassung stammt aus dem Jahre 1967. In späteren Jahren hat Drach die letzten drei Szenen des Stückes nochmal überarbeitet.

Albert Drach schrieb mehrere Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Theaterstücke. Erst im hohen Alter wurde er für sein literarisches Schaffen gewürdigt. Er wurde 1988 mit dem Georg Büchner Preis ausgezeichnet und erhielt 1990 das österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst sowie den Manés Sperber-Preis. Als er nach seiner Rückkehr nach Österreich seinen Roman „Das große Protokoll gegen Zwetschkenbaum“ einem Verlag vorlegte, bekam er zur Antwort, dass die Zeit dafür noch nicht reif sei. Bis heute gibt es nicht allzuviele Österreicher denen Albert Drach als Autor ein Begriff ist. Wir wollen das ändern und widmen den Herbst dieser Spielzeit diesem außergewöhnlichen, österreichischen Dichter. Herzlichen Dank an Dr. Eva Schobel und Dr. Alexandra Millner von der internationalen Albert Drach Gesellschaft für die freundliche Unterstützung.

Detaillierte Informationen über den Autor, finden Sie auf der Homepage der Albert Drach Gesellschaft: http://www.albert-drach.at

MIT:
Rainer Doppler
Alaedin Gamian
Thomas Kamper
Sören Kneidl
Thomas Kolle
Matthias Mamedof
Eva Mayer
Tobias Ofenbauer
René Rebeiz
Roswitha Soukup
REGIE:
Ingrid Lang
BÜHNE:
Vincent Mesnaritsch
KOSTÜM:
Aleksandra Kica
MUSIK:
Karl Stirner
SOUNDDESIGN:
Sebastian Seidl
LIEDBEARBEITUNG TEXT:
Peter Ahorner
LICHT:
Harald Michlits
DRAMATURGISCHE BERATUNG:
Karl Baratta und Patrick Rothkegel
REGIEASSISTENZ:
Lisa Niederwimmer
KOSTÜMASSISTENZ:
Christian A. Kahrer
BÜHNENASSISTENZ:
Tanja Peinsipp
REGIEHOSPITANZ:
Sebastian Klinser